kgf-850

25 Jahre historischer Geländesport

Anfang der 90er Jahre wurde bei einer  Motorradausstellung in der Isnyer Stolz-Brauerei viel über die alten  Geländefahrten diskutiert, denn immerhin war Isny neben  Garmisch-Partenkirchen bis in die 70er Jahre das Mekka des  Geländesports in Deutschland. Schnell fand der Vorschlag Zustimmung,  zum 70jährigen Vereinsjubiläum des MSC Isny  eine Geländefahrt für   historische Motorräder zu organisieren, so wie es  das im Motocross oder im historischen Straßenrennsport schon lange gab.  40 Starter drehten  dann im Sommer 1993 auf einer vom Regen völlig aufgeweichten Wiese ihre Runden. Trotz widrigster Bedingungen bei der  Premiere waren es zwei  Jahre später schon 100 Fahrer - der Bann war  gebrochen und seitdem hat  der Klassik-Geländesport einen festen Platz in der deutschen  Motorsportszene. Im Laufe der Jahre wurde die Strecke  immer  anspruchsvoller, ein internationales Starterfeld von 300 Fahrern  ist in Isny schon lange die Regel, aber lange wurde die Devise der  Anfangsjahre "jeder Starter ist ein Gewinner" nicht aus den Augen verloren -  altersabhängige Zeitgutschriften und Umleitungen an allzu selektiven Passagen ermöglichten jedem Teilnehmer ins Ziel zu kommen, eine gewisse Geländeerfahrung natürlich vorausgesetzt. Bei der letzten Veranstaltung hat der Ruf von Isny jedoch ein paar Kratzer abbekommen, weil 2/3 aller Fahrer das Ziel nicht sahen.


Seit Ende  der 1990er Jahre  sind viele neue Veranstaltungen hinzugekommen und leider auch wieder aus dem Kalender verschwunden. Besonders in Erinnerung  geblieben ist die  ”Schwäbische” in Rappoltshofen. Mutter Schmidt, über  deren Äcker und  Wiesen die Strecke führte, hatte für die Teilnehmer  sogar Kuchen  gebacken. Nur einmal statt fand die Geländefahrt in den  Wäldern des  Herzogs von Ratibor nahe Höxter an der Weser. Nicht mehr  im  Terminkalender finden sich auch das "Classic Weekend" im Sandkasten  von  Hoope, die Westfälische in Hamm oder die Heilbronner Gelände-Classic. Heute gibt es in jedem Jahr zwischen 10 und 15   Startgelegenheiten in Deutschland. Während die Isny Classic, die  “Schwere Badische” in Mauer oder Sinsheim, um nur einige Beispiele zu  nennen, nur alle zwei Jahre stattfinden, gibt es die Erich Riemensperger Classic in Dillstädt, das ”Weimarer Land”€ oder die “Ölmühle” in Eberstädt und natürlich die beiden Highlights in Zschopau und  Schimmeldewog jährlich

4_229a
4_13a

Teilnahmeberechtigt sind alte Geländesportmaschinen bis zum  Beginn des  "Enduro-Zeitalters", also bis Baujahr 1980. Viele  Veranstaltungen sind  aber auch für Youngtimer bis 1990 offen. Neben den  üblichen  Sonderprüfungen findet man bei einigen Fahrten auch  endurogerechte  Trial- oder "Stilfahrt"-Sektionen. Vom Punktekonto wird  dann der  "Altersbonus" abgezogen, eine Isnyer Erfindung, die sich bis  heute  gehalten hat. Vielen jüngeren Fahrern ist aber gerade dieser   Altersbonus ein Dorn im Auge, weil die Ergebnisse nicht nur vom forschen Gasgeben, sondern auch vom Alter der Teilnehmer und der Motorräder  beeinflusst werden. Eine, wie wir meinen, gerechte Lösung beim  lizenzfreien  Oldtimersport, wo eher die Präsentation der  stollenbereiften Raritäten als der Kampf um schnelle  Sonderprüfungszeiten Priorität hat.  Vor einigen Jahren gab es bei der  "Schweren Badischen" in Mauer  erstmalig eine "Seniorenklasse" für  Fahrer ab 65 Jahren, die Kritik am  Altersbonus verstummte jedoch nie.  Dabei gibt es für diejenigen, denen  es auf eine ausschließlich  leistungsabhängige Wertung ankommt, als  Alternative den DMSB-Klassik-Pokal. Bei dieser inoffiziellen  "Klassik-DM" kann man  aber die Leute, die sich ernsthaft um den Titel bemühen, an einer Hand  abzählen. Da wundert es nicht,  dass der DMSB auf seine ”schöne  Nachbarin" mit populären Traditionsveranstaltungen, prominenten Fahrern von einst, tollen Geländestrecken und vor allen  Dingen großen  Starterfeldern aufmerksam wurde. 2011 war "Rund um die  MZ-Stadt  Zschopau" erstmals ein Wertungslauf zur DMSB-Klassik-Trophäe, ein Jahr  später wurde die Klassik-Szene, die seit zwei Jahrzehnten bestens  funktioniert hatte, vom DMSB mit der Lizenz ”beglückt”. Ob die neuen “Lizenzfahrer”€ damit aber tatsächlich so glücklich waren, sei einmal  dahingestellt.

4_168a
4_96a

Es sieht so aus, als käme vielen  Fahrer eine "Zweite Liga"  unterhalb des DMSB-Pokals gerade recht. Eine klassenübergreifende Wertung, beispielsweise für den  "Tagesschnellsten" oder bei der  Mannschaftswertung, bevorzugt  logischerweise "moderne" und  leistungsfähige Motorräder und junge,  schnelle Fahrer. Wenn aber nur  noch große Maico oder SWM-Rotax  siegverdächtig sind, wird das auf kurz oder lang die alten Maschinen aus den 50er, 60er und frühen 70er Jahren aus den Starterfeldern  verdrängen. Ob das allerdings noch "historischer Geländesport ist, so  wie ihn die Isnyer vor  25 Jahren erdacht haben?

Zumindest war die Lizenz  recht   schnell wieder vom Tisch, denn in der maßgeblichen  Clubsport-Grundausschreibung ist schwarz auf weiß geregelt, daß  der   Klassik-Geländesport außerhalb von DMSB-Prädikaten nicht in den   lizenzpflichtigen Clubsport gehört, sondern lizenzfreier Breitensport ist.

Trotzdem gibt es immer noch eine  kleine, aber recht ”kommunikative” Fraktion, die den  Klassik-Geländesport grundlegend ändern will und dabei mit dem Feuer  spielt. Denn sobald nicht mehr der Erhalt und die Präsentation des  technischen Kulturguts, sondern nur noch die fahrerische Leistung im  Vordergrund steht, ist der Klassik-Geländesport ganz schnell wieder  unter DMSB-Fittichen und damit lizenzpflichtig.

Im Übrigen hat einer unseren guten Fahrer aus den 80er Jahren einmal gesagt: ”Wer im Klassik-Geländesport startet, um seine Pokalsammlung zu vergrößern, hat früher zu wenig Gas gegeben”€. Dem ist eigentlich nichts mehr hinzuzufügen.

27_198
27_321
27_058
Website_Design_NetObjects_Fusion
vin15_head1
704_150-transparent

© Vinduro Deutschland 2015 - 2017